Deutschlands Wirtschaft 2008 - Aufschwung oder Stillstand?

Wenngleich die jüngsten Schätzungen von Bundesregierung und unabhängigen Experten nahezu einhellig eine Abschwächung des deutschen Wachstums im Zuge der Immobilien- und Finanzkrise in den USA unterstellen, bleiben die Korrekturen an den früheren Vorhersagen zur wirtschaftlichen Entwicklung bislang moderat.

Über die weitere konjunkturelle Entwicklung werden vor allem zwei Fragen entscheiden. Zum einen, ob die amerikanische Wirtschaft einer Rezession auch mittel- und langfristig entgehen kann und zum anderen, ob sich die Volkwirtschaften in Europa einem wirtschaftlichen Abschwung in den Vereinigten Staaten entziehen könnten.

In diesem Zusammenhang bleibt die enorme Verschuldung der Verbraucher in den USA ein unkalkulierbares Risiko. Die privaten Haushalte waren in den vergangenen Jahren die entscheidende Triebfeder des Wirtschaftswachstums in Nordamerika, doch war deren Konsum bereits seit längerem durch Kredite finanziert. Inzwischen gibt der Durchschnittsverbraucher in den USA jeden Monat mehr aus, als er verdient.

Es spricht viel dafür, dass sich dieser schuldenbasierte Aufschwung dem Ende nähert, ohne dass die US-Regierung dem wirkungsvoll entgegensteuern könnte. Denn in den USA hat nicht nur der Bürger sondern zuletzt auch der Staat deutlich über seine finanziellen Verhältnisse gelebt. Den entscheidenden Spielraum für nachhaltige Steuersenkungen und Konjunkturprogramme dürfte er damit verloren haben.

Ist unter diesen Voraussetzungen weiteres Wachstum in Europa denkbar? In der Vergangenheit wäre diese Frage nach aller Erfahrung zu verneinen gewesen. Allerdings hat die Bedeutung der USA als globaler Handelspartner zuletzt abgenommen. Staaten wie China oder Indien mit ihrem ungeheuren wirtschaftlichen Potential sind dagegen auf dem Weltmarkt als Nachfrager hinzugetreten. Wie sich deren neue Rolle als Motor im globalen Wirtschaftsgefüge nun auswirkt, bleibt mit Spannung abzuwarten.
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